Texte von und über Rudolf A. Spiess

 

Roland Mathys über Rudolf Spiess

Visuell. Das Spiel als Grundgedanke

 

Roland Mathys:

Auch musikalisch ist Rudolf Spiess beeinflusst.
Der Ex-Trompeter und Jazzdrummer und Noch-Schwyzerörgeler liebt Res Gwerder und Thelonious Monk. Von beiden schätzt er am meisten die schrägen Nummern, und er liebt es, Stücke von ihnen noch schräger zu spielen und zu improvisieren. Bei Res Gwerder nahm er gar Schwyzerörgeli-Stunden, im Arther Altersheim Hofmatt, dem letzten Domizil des grossen Schwyzer Volksmusikers. Monk ertönt bei Rudolf ab Langspielplatten, wenn der Maler nicht selbst in die Pianotasten greift. Was der Monk-Schüler Steve Lacy von seinem Meister sagte, liesse sich auch auf den Künstler Spiess anwenden: Er war antisystematisch. Methoden, ja, die hatte er. Jedes Stück (jedes Bild) ist eine Offenbarung in sich, und wenn man sie alle aneinanderreiht, wird seine Musik (seine Kunst) verständlich und sinnvoll...Und an anderer Stelle: Mir gefällt der auf Monks Musik angewandte (und auf Spiess Kunst anzuwendende) Begriff der Geometrie. Man begreift Rudolfs Begeisterung für den Jazzavantgardisten der 50er und 60er Jahre, für dessen Themen mit ihren rhythmischen Verschiebungen und unregelmässigen Strukturen, wenn man genau hinschaut und hinhört.

Und könnte nicht auch auf Rudolf A. Spiess gemünzt sein, was Joachim Ernst Berendt von Thelonious Monk schreibt? „Er spielt al-fresco-artige, weit auseinander gezogene, oft nur angedeutete Linien und ist in der Auflösung der Phrase als Einheit und der Harmonik als funktionalem System vor dem Free Jazz besonders weit gegangen.“

Es gibt Bilder von Rudolf Spiess, auf welche gewisse Titel von Monk-Stücken ebenfalls passen würden: <Crisscross, Brillant Corners, Functional, Light Blue, Reflections, 1ntrospection, Misterioso, Evidence.> Ein einziger Titel kommt nur ironisch in Betracht: <Ugly Beauty> (hässliche Schönheit).

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Visuell. das Spiel als Grundgedanke

Verschiedene farbige Formen regen dazu an, einfache und komplizierte Gestaltungskombinationen zu erproben und zu erfinden. Meine asymmetrische, konstruktive konkrete Kunstrichtung hat für die Gesellschaft und für mich eine wichtige bildungspolitische Bedeutung: Ästhetik in der Gestaltung der bildenden Kunst zu vermitteln und effizient voranzutreiben, um die kunsterzieherischen Ziele zu erreichen.

Als Maler und Gestalter sehe ich mich darum auch als Pädagoge, und unverkennbar ist auch mein Bemühen um Vermittlung.

Sehen - als umfassender Prozess sinnlicher und Intellektueller Erkenntnis - ist der Grundgedanke meines gesamten Schaffens.

Konstruktive Bildkomposition in Asymmetrie, nach dem Gesetz der Ordnung im Gleichgewicht, gilt als Massstab für die Qualität der Gültigkeit.

Die kunstgeschichtlich wie kunstpädagogisch bedeutsame Darstellung konstruktiver konkreter Kunst ist eine der wichtigsten Kunstströmungen unseres Jahrhunderts und bildet einen wichtigen Schwerpunkt in unserem kunsterzieherischen Wirken. Dieses bietet sich in besonderem Masse für Schule und Unterricht an, und zwar zur Förderung in sämtlichen Klassen.

Es geht mir um die Vermittlung der guten Bild-, Form- und Farbgestaltung der Werke.
Die Ästhetik in der Darstellung und das Sehen zu lernen.

Rudolf A. Spiess

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